Blogartikel - Massif des Maures
Entdecker-Blog: Massif des Maures

Menschenscheu auf der Halbinsel von Saint-Tropez? (Teil 2)

Steinpyramide im Massif des Maures

Im Artikel über Cap Lardier hast du bereits einen Ort kennen gelernt, wo du die Schönheit der Côte d’Azur ungestört und wandernd genießen kannst. Diesmal entfernen wir uns etwas weiter von der Küste und steigen hinauf in die bewaldeten Hänge des Massif des Maures. Es erstreckt sich zwischen Fréjus und Hyères und trennt das Hinterland (von den Franzosen „Les terres“ genannt) vom intensiv touristisch genutzten und stark zersiedelten Küstenstreifen.

Maurum, Maura oder Noire?

Woher der Name „Massif des Maures“ stammt ist nicht eindeutig geklärt. Im 9. Jhd. n. Chr. wird das Gebirge als Montem Maurum erwähnt. Später findet sich die Bezeichnung Maura. Die einfachste Erklärung wäre die Herleitung vom Wort „Maures“, in Deutsch „Mauren“. Denn nachweislich siedelten im 9. Jhd. Sarazenen im Bereich des heutigen La Garde Freinet.

Maura könnte sich aber auch aus dem französischen „mont noir“ oder dem provenzalischen „La Noire“ herleiten. Dann würde es soviel wie „Die Schwarzen Berge“ bedeuten.

Das Land Teria, in dem die Romane der ‚Merles Fluch‘-Reihe spielen, kennt ebenfalls eine Bergkette, die diesen Namen trägt. Tatsächlich ist diese Übereinstimmung zufällig entstanden, denn das Massif des Maures habe ich erst kennengelernt, nachdem der erste Band (und die Landkarte von Teria) bereits fertiggestellt war. Trotzdem ähneln die südlichen Schwarzen Berge von Teria, rund um Port Rona (‚Im Bann des Roten Königs‘) in meiner Vorstellung dem Massif des Maures.

Felsen im Massif des Maures

Und warum sind die Berge des Massif des Maures schwarz? Vermutlich erhielten sie diesen Namen wegen der dichten Bewaldung oder weil der Gebirgszug aus dunklem kristallinen Gestein besteht. Ein auffälliger Kontrast zu den ansonsten in der Gegend anstehenden hellen Kalkfelsen.

Dieser Farbunterschied sticht um so mehr hervor, wenn man die Roches Blanches, die „Weißen Felsen“ über dem Ort La Garde Freinet besucht. Sie wirken fremd wie ein Eisblock in der mediterranen Berglandschaft. (Eine Wanderung zu den Roches Blanches findest du hier!)

Les Roches Blanches
Les Roches Blanches – Die Weißen Felsen über La Garde Freinet

La Garde Freinet – Das Tor zum Massif des Maures

Der Ort La Garde Freinet sitzt auf einem Pass, über den die Straße von der Plaine des Maures (s. u.), über das Gebirge, bis zum Golf von Saint Tropez führt. Es ist der perfekte Ausgangspunkt für kleine und große Wanderungen in den Bergen des Massif des Maures. Außerdem ist das Dorf selbst einen Spaziergang wert. Das alte Zentrum ist selten überlaufen und man kann in Ruhe authentisch-provenzalische Häuser bewundern und durch die schmalen Gässchen schlendern.

Kirchturm von La Garde Freinet
Kirchturm von La Garde Freinet

In alten Quellen wird La Garde Freinet auch „Fraxinet“ oder „Fraxinetum“ genannt. Die in der Nähe vermutete Sarazenensiedlung soll den Namen „Jabal al-Qilal“ getragen haben. In arabischer Sprache heißt das soviel wie „Berg der Tonkrüge“. Die Bezeichnung spielt auf die Vielzahl der Keramikscherben an, die hier zu finden sind. Im Jahr 973 wurden die Sarazenen von Guillaume (im Deutschen Wilhelm) dem Ersten vertrieben.

Korkeiche mit frischem Ernteschnitt
Korkeiche mit frischem Ernteschnitt

Ab dem 14. Jhd. wird die Flaschenkorkenproduktion in der Region zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Die Korkeiche ist die vorherrschende Baumart des Massif des Maures, denn die dicke Rinde schützt die Bäume vor den in der Gegend häufigen Waldbränden. Für Touristen und Einheimische werden Führungen angeboten, in denen vorgeführt wird, wie man die Rinde dieser Bäume erntet. Bevor der Tourismus in die Region Einzug hielt, wurden auch Maronen angebaut und Seidenraupen gezüchtet. Wenn man durch das Massif des Maures wandert, trifft man deshalb auf verwilderte Esskastanien-Bäume, die im Herbst reichlich Früchte abwerfen. Aber Vorsicht: Das Sammeln gilt in Frankreich als Diebstahl und ist verboten.

Fort Freinet

Blick auf auf die Hügelkuppe von Fort Freinet
Blick auf die Hügelkuppe von Fort Freinet

Das alte Fort Freinet liegt heute in Ruinen und war einst ein befestigtes Dorf. Es ist der mittelalterliche Vorgänger von La Garde Freinet und liegt hoch über der heutigen Siedlung auf einer windumtosten Bergkuppe. Das spektakuäre 360° Panorama über das Massif des Maures, die Plaine des Maures und den Golf von Saint Tropez ist den steilen Aufstieg auf jeden Fall wert. An klaren Tagen kann man sogar die Ausläufer der See-Alpen erkennen.

Auf dem Gipfel sind die Reste von etwa dreißig halb in den Fels geschlagenen Häusern zu bewundern, die von einem beeindruckendem Wassergraben umgeben sind. Startpunkt der knapp einstündigen Wanderung zum Fort Freinet ist der Parkplatz in La Garde Freinet. Dort findet man auch eine Wandertafel zur Orientierung. Der Weg ist ausreichend gut markiert, sodass man auch ohne Karte spontan loslegen kann. Je nach Wegvariante sollte man eine gewisse Trittsicherheit mitbringen. Und wenn noch ein wenig Puste übrig ist, kann man von den Ruinen den schmalen Pfad zum Croix des Maures hinübersteigen.

Wer den Berg hinauf zum Gipfel von Fort Freinet gekraxelt ist, kann nachvollziehen wie beschwerlich die Lebensbedingungen dort gewesen sein müssen. Platz war Mangelware. Es gab keine Wasserquelle außer dem Graben und alle Lebensmittel und was sonst zum Leben gebraucht wurde, musste den sehr steilen Berg mühsam hinaufgeschafft werden. Außerdem ist man Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Und wer sich ein paar Monate im Var aufgehalten hat, weiß, dass vor allem im Herbst und Frühling heftige Stürme mit Starkregen keine Seltenheit sind. Es wundert nicht, dass sich die Bewohner im 13. Jhd. dazu entschlossen, den Gipfel zu verlassen und sich stattdessen auf dem Pass anzusiedeln, wo sie das heutige La Garde Feinet gründeten.

Zum Fort Freinet werden jedes Jahr kostenloses Führungen in französischer Sprache angeboten. Am Besten in der Touristeninfo erkundigen! Ausführliche Infos und viele Fotos zu Fort Freinet findest du hier.

La Plaine des Maures

Hausruine in der Plaine des Maures

Das Massif des Maures geht an seiner küstenabgewandten Seite nahtlos in die Plaine des Maures über. Es ist eine mit Machia, Schirm-Kiefern und Korkeichen bewachsene Ebene, deren typisches Erkennungsmerkmal die abgerunden roten Steinplatten sind, die hier den Untergrund bilden. Sie sind kompakt, kieselhaltig und relativ wasserundurchlässig, was zu zahlreichen Bächen und temporären Feuchtgebieten mit großer biologischer Vielfalt führt.

Bis ins 19. Jhd. wurde die Plaine des Maures land- und forstwirtschaftlich genutzt (Korkeichen, Pinienkerne, Schafe, Wein, Oliven, Getreideanbau). Seit 2009 steht sie unter Naturschutz.

Wegen der Waldbrandgefahr wurden zwei künstliche Seen (Lac des Escarcets und Lac des Aurèdes) angelegt. Durch sie entstanden Röhricht- und Auwaldflächen mit versumpftem Gelände. Diese Bedingungen zogen zahlreiche seltene Vogelarten an. Seltene Orchideen und Moose sind hier zu finden und die Plaine des Maures ist für ihren Atenreichtum an Amphibien und Reptilien bekannt. Neben Korsika ist sie das letzte Siedlungskerngebiet der Hermannschildkröte in Frankreich.

Schildkröte in der Plaine des Maures
Schildkröte in der Plaine des Maures

Wanderungen in der Ebene kann man spontan unternehmen. Die Wege sind gut beschildert und wenig anspruchsvoll, da es keine starken Steigungen gibt. Das macht die Plaine des Maures aber auch zu einem beliebten Ausflugsziel.

Viele tolle Fotos über die Plaine des Maures findest du hier.

Fazit

Das Massif des Maures ist ein Muss für Wanderbegeisterte und Moutainbiker, die sich auf die Halbinsel von Saint Tropez verirrt haben. Der einzigartige Ausblick lohnt den steilen Anstieg. Und wer es etwas gemütlicher will und sich für Pflanzen- und Tierwelt interessiert, der sollte unbedingt die Plaine des Maures erkunden!

Wandertipps

(ACHTUNG: In den Waldgebieten des Var herrscht im Sommerhalbjahr Waldbrandgefahr! Bitte konsultiere IMMER die tagesaktuelle Infokarte, bevor du eine Wanderung dort startest!)

Nützliche Websites

Willst du noch mehr über die Region erfahren?

Dann interessieren dich vielleicht Teil 1 und Teil 3 von „Menschenscheu auf der Halbinsel von Saint-Tropez“!

Eine Meinung zu “Das Massif des Maures – Von Korkeichen und verlassenen Forts

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