Grimaud - Ein unaufdringlicher Touristenmagnet
Entdecker-Blog: Grimaud

Menschenscheu auf der Halbinsel von Saint-Tropez? (Teil 3)

Zugegeben, Grimaud ist nun wirklich kein Geheimtipp. Aber seine Bekanntheit ist wohlverdient, denn die kleine Gemeinde an der Côte d’Azur hat einiges zu bieten.

Sie ist gleichzeitig modern und traditionell, vereint die Weite des Massif des Maures mit den Weinbergen und dem Luxusflair der Küste. Grimaud hat alle Schönheiten der Region auf engstem Raum versammelt und braucht sich hinter dem überlaufenen Saint-Tropez nicht zu verstecken.

Grimaud mit Burg
Grimaud, Le Var, Frankreich

Einst Sambracis, heute Grimaud

Dass Grimaud der antike Hafen Sambracis gewesen sein soll, ist heute kaum zu glauben, denn das Dorf liegt fünf Kilometer von Küste entfernt. Keramikreste, Amphorenfunde und eine als Hafenanlage gedeutete Steinsetzung, verorten jedoch Anlegeplätze am Fuß des Hügels. Dies wird erst verständlich, wenn man begreift, dass der Meeresspiegel in der Antike höher lag als heute. Das Meer reichte damals bis an den Siedlungshügel heran.

Burganlage von Grimaud
Burganlage von Grimaud

Die Ebene zwischen dem heutigen Port Grimaud (s.u.) und Grimaud gehörte früher zum Freinet, einem Gebiet, das dem nahegelegenen La Garde Freinet seinen Namen verschaffte und sich von Cavalaire-sur-Mer bis Fréjus erstreckte. Den heutigen Namen bekam Grimaud Ende des 10. Jh.s von einem gewissen Gibelin von Grimaldi, der das Freinet von Guillaume I. als Lehen erhielt, zum Dank für seine Hilfe bei der Befreiung des Freinet von den Sarazenen.

Im Laufe der Jahrhunderte wechselte der Landstrich mehrfach seine Lehnsherren und gehörte zeitweise zu den Besitztümern der berühmten Zisterzienser-Abtei von Le Thoronet. Sie ist bekannt für ihre klare romanische Architektur und den einzigartiken Klang in ihren Hallen. Le Thoronet und die beiden anderen provençalischen Zisterzienser-Abteien Sivacane und Sénanque werden zusammen als die „Drei provençalischen Schwestern“ bezeichnet. Wer genug Zeit mitbringt, kann zu den dreißig Kilometer entfernten Ruinen des Klosters fahren und sie besichtigen.

Historische Wohnhäuser in Grimaud
Historische Wohnhäuser in Grimaud

Betrachtet man Grimaud aus der Ferne, so fällt sofort die alles überragenden Burganlage auf, deren ältester Teil aus dem 11. Jh. stammt. Sie wurde jedoch mehrfach überbaut, zerstört und wieder neu errichtet. Die heute zugänglichen Mauerreste sind restauriert und datieren ins 17. Jh. Diese, und auch einige Wohnhäusern im Dorf aus dem 15. und 16. Jh., stehen unter Denkmalschutz.

Zusammen mit La Garde Freinet und den anderen Höhendörfern der Region (Ramatuelle und Gassin) war Grimaud bis ins 18. Jh. ein strategisch bedeutsamer Standort für den Handel zwischen dem Golf von Saint-Tropez und dem porvençalischen Hinterland. Es war aber auch Teil eines Frühwarnsystems, das vor Sarazeneneinfällen und Piratenangriffen vom Mittelmeer aus warnte. Der alte Wachtposten Le Vieux Semaphore, am wenige Kilometer entfernten Cap Lardier, ist ein weiterer Zeuge dieser unruhigen Epoche. (Mehr dazu findest du im Blog-Beitrag über Cap Lardier.)

Im zweiten Band der ‚Merles Fluch‘-Reihe haben mir die Gassen von Grimaud als Vorbild für die fiktive Stadt Port Rona gedient. Zwar ist Grimaud sehr viel kleiner als Port Rona, aber das mediterrane Flair, das milde Klima und die Nähe zum Meer ist ihnen gemeinsam.

Kirchen, Windmühlen und Feenbrücken

Chapelle des Pénitents in Grimaud

Fans alter Kirchenbauten sollten den ersten Stopp bei der romanischen Pfarrkirche Saint-Michel aus dem 12. Jh. einlegen. Es handelt sich um die älteste noch genutze Kirche der Gemeinde. Am anderen Ende des Ortes steht die kleine Chapelle des Pénitents aus dem 15. Jh. Beim Abstieg von der Burg kommt man an ihr vorbei, wenn man den Schleichweg hinter der Burgruine nimmt.

Neben dem Friedhof und der Windmühle von Saint-Roch (s.u.), steht die romantische Chapelle de Saint-Roch, in der gerne Hochzeiten gefeiert werden. Und ein wenig außerhalb, versteckt zwischen Bäumen und Weinbergen, liegt die Chapelle Notre Dame de la Queste, die im 11. Jh. errichtet und im 16. Jh. umgebaut wurde. Die Innenausstattung und der Altar sind hier größtenteils im Originalzustand zu bewundern. Es finden regelmäßig kostenlose Führungen in französischer Sprache statt. (Infos dazu findest du hier).

Alte Windmühle, Le moulin Saint-Roch von Grimaud

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die alte Windmühle, le moulin Saint-Roch, aus dem 17. Jh., die auf einer Hügelkuppe hinter der höher gelegenen Burg steht. In der Region wurden gleichzeitig noch drei andere Windmühlen und neun Wassermühlen errichtet. Sie sollten der Bevölkerung eine unabhängige Produktion von Mehl und Olivenöl ermöglichen. Ihe Flügel sind abnehmbar und wurden zum Mahlen mit Stoff bespannt. Auch die Mühle von Saint-Roch kann man zu bestimmten Zeiten kostenlos betreten. (Infos findest du hier).

Der Besuch der moulin Saint-Roch lässt sich hervorragend mit einem kleinen Spaziergang zur Pont des Fees („Feenbrücke„) im Bachtal hinter Grimaud verbinden. Der schmale Weg ist gleichzeitig ein Lehrpfad mit Tafeln, die die umgebende Geologie, Tier- und Pflanzenwelt erklären. Startpunkt der kleinen Wanderung ist der Parkplatz neben dem Friedhof von Grimaud. Bei der Feenbrücke handelt es sich jedoch nicht wirklich um eine Brücke, sondern um eine Wasserleitung aus dem 16. Jh. Damals versorgte sie Burg und Dorf durch Gefälle mit Wasser. Das ganze System soll ursprünglich über drei Kilometer lang gewesen sein. Beim Überqueren der „Feenbrücke“, kann man die Reste dieser eingemauerten Wasserleitung noch erkennen. Naturinteressierte können im kleinen Bach darunter, mit ein wenig Glück und Geduld, Schlangen und Wasserschildkröten beobachten.

Pont des Fees, die sog. Feenbrücke bei Grimaud

Noch mehr über Geschichte und Traditionen der Region erfährt man im kleinen Museum für Volkskunst, Le musée du Patrimoine. Das historische Gebäude neben der Touristeninformation beherrbergte einst eine Ölmühle und dann eine Korkenfabrik. Es ist mit Original-Möbeln und Alltagsgegenständen des 19. Jh.s eingerichtet. Der Eintritt ist frei und gerade in den heißen Sommermonaten bietet das alte Gemäuer eine willkommene Abkühlung.

Musik und Kultur

Neben den reichlichen Resten seiner Vergangenheit, hat Grimaud aber auch eine Fülle von Gegenwartskultur zu bieten. Sein vielfältiges Kulturangebot lockt Einheimische und Touristen gleichermaßen an. Zu den beliebtesten Ereignissen gehört das alljährliche Musikfestival der Grimaldines, das in den Gassen und auf den Steinstufen unter der Burg stattfindet. Daneben gibt es das ganze Jahr über Kunstausstellungen, Autorenlesungen und traditionelle Feste. (Infos dazu findest du hier).

Wer am Sonntag Vormittag die D14 zwischen Grimaud und Port Grimaud entlangfährt, wird sich fragen warum der Straßenrand mit unzähligen Autos vollgeparkt ist. Der Grund ist der wöchentlich (außer im Winter!) stattfindende Trödelmarkt von Le Jas de Robert (Brocante du Jas de Robert). Er hat sich im Laufe der Jahre zum wahren Volksfest entwickelt und ist für Kunst und Krempel-Fans ein Muss.

Port Grimaud – Das kleine Venedig an der Côte d’Azur

Kanal in Port Grimaud

Ist es eine weitere Touristenattraktion oder ein architektonisches Meisterwerk? Die Meinungen darüber sind geteilt. Port Grimaud ist eine in den 1960er Jahren vom Architekten François Spoerry erbaute Plansiedlung, die unverkennbar versucht, Venedig in kleinem Maßstab nachzubilden. Das ursprüngliche Sumpfland musste dafür weichen und an seine Stelle trat eine von Kanälen durchzogene Privatsiedlung der Luxusklasse. Jedes Haus ist individuell und hat seinen eigenen Boots-Anlegeplatz. Es gibt Cafés, kleine Läden und sogar die Imitation einer Wehrkirche in provençalischem Stil. Der 1999 verstorbene François Spoerry ist dort bestattet. Der Kirchturm ist öffentlich zugänglich und bietet einen schönen Ausblick über die Lagunenstadt.

Kirche Saint-François d’Assise in Port Grimaud

Auch Port Grimaud ist in ‚Im Bann des Roten Königs‘ eingeflossen. Es hat mich zu dem von Kanälen durchzogenen Hafenviertel von Port Rona inspiriert.

Fazit

Grimaud und Port Grimaud stehen für Besucher der Halbinsel von Saint-Tropez fast immer auf dem Programm. Wenn man nach Ruhe sucht, sind die beiden Touristenmagneten also nicht die richtige Wahl. Aber für Kulturinteressierte ist Grimaud ein wahrer Augenöffner, denn es bringt die Besonderheiten des Ortes und der Region geballt in einem kleinen Dorf zusammen.

Ein großes Angebot an kostenlosen Führungen und Besichtigungen lockt. Aber auch im Alleingang kommt man in Grimaud auf seine Kosten: Liebevoll gepflegte Gassen und Häuser, Infotafeln an jeder Ecke, Konzerte und Kunst… In Grimaud findet sich immer etwas Interessantes zu entdecken.

Wandertipps

(ACHTUNG: In den Waldgebieten des Var herrscht im Sommerhalbjahr Waldbrandgefahr! Bitte konsultiere IMMER die tagesaktuelle Infokarte, bevor du eine Wanderung dort startest!)

Nützliche Websites

Willst du noch mehr über die Region erfahren?

Dann interessieren dich vielleicht Teil 1 und Teil 2 von „Menschenscheu auf der Halbinsel von Saint-Tropez“!

Eine Meinung zu “Grimaud – Unaufdringlicher Touristenmagnet

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