Entdecker-Blog: Grande Limagne

Auvergne ohne Berge?

Eigentlich ist die Auvergne, in der Mitte Frankreichs, für ihre Gebirge, Vulkankegel und Thermalquellen bekannt. Die sogenannte Chaîne des Puy, die Kette von Gipfeln erloschener Vulkane, sticht sofort ins Auge, wenn man sich in der Region bewegt.

Aber seit Juli 2018 gehört auch die weniger auffällige Limagne-Ebene zu den französischen UNESCO-Welterbestätten. Was ist so besonders ihr, dass sie in dieses Verzeichnis aufgenommen wurde?

Felder in der Ebene der Grande Limagne.
Blick über die weite Ebene der nördlichen Grande Limagne.

Die Grande Limagne

Die weite Ebene der Grande Limagne schließt sich östlich an die Vulkankette der Chaîne des Puys an. Die Hauptstadt der Auvergne, Clermont-Ferrand, liegt bereits in ihren westlichen Ausläufern. Sie ist etwa 90 km lang und 15 – 40 km breit und in ihrem Südabschnitt hügeliger, da alte Gipfel und Plateaus vulkanischen Ursprungs sich über sie hinausheben.

Die Limagne-Ebene ist eine abwechslungreiche Landschaft aus naturbelassenen Fluß- und Feuchtgebieten, Feldern und Wiesen, mittelalterlichen Steindörfern und kleinen Weinbergen. Auf den Hügelkuppen der südlichen Limagne finden sich oft Burgen und Schlösser (z. B. das Chateau de Ravel, oder das Chateau de Bussèol).

Entstehung der Limagne-Verwerfung

Der Begriff Limagne bezeichnet eigentlich eine kleine fruchtbare Ebene in einer gebirgigen Umgebung. Wahrscheinlich ist der Ursprung des Wortes das lateinische Limus, was „Schlamm“ bedeutet. Diese Wortherleitung wird begreiflich, wenn man versteht, wie die Limage entstanden ist.

Die südliche Grande Limagne.
Die südliche Grande Limagne, fotografiert beim Aufstieg zum Plateau von Gergovie.

Durch den Drift tektonischer Erdplatten brach im Tertiär die kontinentale Kruste auf und der Untergrund im Bereich der heutigen Limagne senkte sich um mehr als 2.000 m ab. Ein riesiger See entstand, in dem sich über 20 Millionen Jahre Sedimente ablagerten. Deshalb ist die Limagne auch sehr reich an Fossilien. (Mehr dazu findest du z.B. hier!)

Der See verlandete und ließ so eine fruchtbare Ebene entstehen, die jahrtausendelang von Sümpfen und Feuchtgebieten geprägt war.

Mehr zur Geologie, Flora und Fauna der Auvergne kannst du im Naturkundemuseum Henri Lecoq in Clermont-Ferrand erfahren!

Ein wenig Geschichte

Etwa zu Beginn des Neolithikums in Westeuropa (Einführung der Landwirtschaft und Übergang zu einer sesshaften Lebensweise um 5500 v. Chr.) endete auch die Vulkanaktivität im Zentralmassiv. Menschen siedelten sich an und begannen die schwarzen Böden der Limagne zu bearbeiten.

Dies wurde jedoch erschwert durch die Feuchtigkeit des Limagne-Beckens, das von häufig wiederkehrenden Überschwemmungen geprägt war. Es gibt Nachweise, dass bereits um das 1. Jh. n. Christus Entwässerungssysteme gebaut wurden. Aber es dauerte noch bis zum beginnenden 17. Jh. n. Chr. bis die Ebene zuverlässig trocken gelegt war. Erst ab da hat sie ihr heutiges Erscheinungsbild bekommen.

Schafe unterhalb des Plateau des Gergovie.
Blick über die südliche Grande Limagne im Februar, aufgenommen vom Wanderweg unterhalb des Plateau de Gergovie.

Trotzdem war die Limagne bereits in den vorchristlichen Jahrhunderten und vor allem ab dem 2. Jh. n. Chr. ein Siedlungsschwerpunkt. Unzählige archäologische Funde und Stätten zeugen noch heute davon (mehr dazu erfährst du im Museum Barguin in Clermont-Ferrand).

Zum Beispiel befand sich auf dem berühmten Plateau von Gergovie ein Oppidum, also eine „Keltenstadt“. Die Reste kann man bei einer Wanderung auf dem Plateau bewundern, und dabei den atemberaubenden Ausblick über die Limagne, die Chaîne des Puys und das Massif de Sancy genießen.

Ein weiteres geschichtliches Highlight der Region ist der heutige Ort Lesoux. Er gehörte einst zur römischen Provinz und war für seine Produktion von Keramik, der Terra Sigilata, berühmt. Terra Sigilata war das typische römische Tischgeschirr und wurde von Lesoux aus ins gesamte Römische Reich exportiert. Mehr dazu kannst im äußerst sehenswerten Keramikmuseum von Lesoux erfahren!

Klima und Nutzung der Limagne

Das Klima in der Grand Limage ist durch das Relief, also die Nord-Süd-Anordung der Gebirgsketten an ihren Rändern, geprägt. Ohne diese Hindernisse, würde die Haupt-Wetterrichtung, wie es normalerweise in Westeuropa der Fall ist, von Westen nach Osten verlaufen. Die Westwinde würden feuchte Luftmassen vom Atlantik herantransportieren und es würde häufiger regnen.

Durch die Berge der Chaîne des Puy und das Massif de Sancy ist das jedoch nicht möglich. Die Limagne ist deshalb eine der trockensten Regionen Frankreichs. Die ausgedehnten Felder werden in den Sommermonaten regelmäßig von Brunnen und Pumpsystemen bewässert.

Feldbewässerung in der Grande Limagne.
Feldbewässerung in der Grande Limagne.

Trotz des Regenmangels ist die Limagne eine landwirtschaftliche Kernregionen Frankreichs. Früher hauptsächlich durch Viehzucht geprägt, sieht man heute vorwiegend den profitableren Getreide-, Mais- und Zuckerrübenanbau. Die berühmten Käse der Auvergne, werden vor allem in den angrenzenden Gebirgen hergestellt.

Wein aus der Auvergne?

Ein kleiner Weinberg in der Nähe von Pont-du-Château.
Ein kleiner Weinberg in der Nähe von Pont-du-Château.

Wenn man heutzutage durch die Hügel im Süden der Grande Limagne streift, trifft man allenfalls vereinzeilt auf kleine Weinberge. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jh.s war die Auvergne jedoch das drittgrößte Weinanbaugebiet Frankreichs.

Alte Weinpresse am Ortseingang des ehemaligen Winzerdorfs Saint-Maurice.
Traditionelle Weinpresse im Dorf Saint-Maurice, einem alten Winzerdorf.

Dann dezimierte die Reblaus die Wein-Pflanzen so drastisch, dass es lange Zeit kaum noch Wein aus dieser Gegend gab. In den letzten Jahrzehnten werden jedoch immer mehr Maßnahmen ergriffen, die Weinregion Auvergne wiederzubeleben.

Der Fluss Allier

Der Allier - einer der naturbelassendsten Flüsse Europas.
Der Allier – einer der naturbelassendsten Flüsse Europas.

Der Allier ist ein Zufluss der Loire, der in den Cevennen entspringt und nach Norden durch die Limagne-Ebene fließt. In Europa gehört er zu den sehr wenigen fast vollkommen frei fließenden Gewässern. Er ist damit auch einer der naturbelassendsten Flüsse Europas: Flach, mit Mäandern, Flussauen, Feuchtgebieten, Inseln und Altarmen.

1994 wurde ein etwa 20 km langer Abschnitt des Allier zum Naturschutzgebiet erklärt. Es wundert daher nicht, dass zahlreiche, teils selten gewordene Tier- und Pflanzenarten hier siedeln.

Das Allier-Tal ist, nach der Camargue, das an Vogelarten reichste Gebiet Frankreichs. Über 260 Vogelarten sind dort heimisch. Das sind 80% der Vogelarten, die überhaupt in der Auvergne leben! Dazu gehört z. B. der Triel, die Zwergschwalbe, die Uferschwalbe oder der Pirol.

Steinterrassen im flachen Allier-Becken.
Steinterrassen im flachen Allier-Becken.

Die Wildkatze ist hier ebenso zuhause, wie der Bieber oder der europäische Fischotter. Unter Wasser findet man z. B. Äschen, Forellen, Hechte und Neunaugen. Das Angeln ist hier eine beliebte Freizeitaktivität, aber auch Kanu- und Kajakfahren wird immer beliebter.

Der Lachs war aufgrund der zahlreichen Staumdämme der Loire, Verschlammung und Erhöhung der Wassertemperatur, so gut wie ausgestorben. In den letzten Jahrzehnten beseitigte man jedoch einige dieser Hindernisse.

Durch die Initiative zahlreicher Freiwilliger, wurde der Lachs künstlich wieder angesiedelt und seit 1994 darf er nicht mehr gefischt werden. Man hofft darauf, dass sich die Bestände langsam erholen.

Die alten Steindörfer der Limagne

Kirchenruine von Vertaizon.
Kirchenruine von Vertaizon.

Doch die Limagne hat nich nur Naturschönheiten zu bieten, sondern auch unzählige kleine Dörfer mit alten Ortskernen, romanischen Kirchen und engen Gassen. Viele dieser mittelalterlichen Häuser stehen leer, aber der wirtschaftliche Boom der letzten Jahre ermöglichte es vielen Familien, Geld in die Hand zu nehmen und diese Bauwerke liebevoll wieder herzurichten.

Das Ergebnis lässt sich auf den Wanderungen und Spaziergängen in der Region bewundern. Die markierten Wanderwege sind so angelegt, dass man durch die alten Dorfkerne geführt wird. Dem aufmerksamen Wanderer können die Highlights nicht entgehen!

Gasse mit hergerichteten alten Steinhäusern in Saint Maurice.
Gasse mit hergerichteten alten Steinhäusern in Saint Maurice.

Fazit

Romanische Kirche von Chauriat.
Romanische Kirche von Chauriat (Der Schlüssel kann im daneben befindlichen Rathaus ausgeliehen werden!).

Die Grande Limagne ist durchaus eine Alternative zur Hoch-Auvergne. Wer genug hat von steilen Aufstiegen und Höhenluft, der findet hier angenehm ebene oder nur sanft hügelige Pfade zum spazieren gehen, wandern und mountainbiken. An heißen Sommertagen kann man im Fluss baden und sich auf den Kies- und Sandstränden des Allier trocknen lassen.

Es gibt schier unendlich viele Möglichkeiten für Spaziergänge, bei denen du die Dörfer der Limagne durchstreifen und die alten Bauten und die Natur bewundern kannst. Das Wegenetz ist hervorragend ausgeschildert und markiert. Beschreibungen und Karten der lokalen markierten Wege findest du meist auf den Websiten der Dörfer und Kleinstädte.

Vorschläge für Wanderungen

Weitere Sehenswürdigkeiten

Nützliche Websites