Cap Lardier - Frankreich
Entdecker-Blog: Cap Lardier

Menschenscheu auf der Halbinsel von Saint Tropez? (Teil 1)

Tja, ein Dilemma! Für Introvertierte wie mich sind Touristenhochburgen ein wahres Grauen. Aber wagt man sich an die Côte d’Azur, noch dazu in der Sommersaison, hat man es unweigerlich mit jeder Menge Menschen zu tun, oder?

Saint Tropez
Saint Tropez

Falsch! Tatsächlich gibt es auch hier Rüchzugsorte. Und einige davon sind so eindrucksvoll, dass sie sich mal wieder in meine Texte geschlichen haben. In diesem Artikel lernst du eine meiner Zufluchten rund um Grimaud und die Halbinsel von Saint Tropez kennen, wo ich ein halbes Jahr lang leben durfte.

Die Südspitze des Var

Cap Lardier ist eine Landspitze im französischen Departement Le Var. Sie gehört zur berühmten Halbinsel von Saint Tropez und liegt damit in einer Zone intensivster touristischer Nutzung.

Exklusive Strände, riesige Jachten und teure Clubs sind in Saint Tropez und Umgebung keine Seltenheit. Das wunderschöne Massif des Maures ist zur Küste hin mit Villen geradezu zugepflastert. Porsche, Lamborghini oder Maserati werden hier gefahren wie andernorts Volkswagen oder BMW. Und sogar im Winter sind die schmalen Straßen um Saint Tropez zu den Stoßzeiten völlig überlastet.

Die Illegalen von Le Var

Massif des Maures
Massif des Maures

Aber damit noch nicht genug. Das Departement Le Var ist in Frankreich der traurige Sieger was die Anzahl illegaler Bautätigkeiten angeht. Luxusvillen werden ohne Genehmigung auf land- oder forstwirtschaftlichen Flächen, in Wasser- und Naturschutzgebieten errichtet. Die örtlichen Behörden reagieren meist viel zu spät. Und so kommt es schon mal vor, dass eine ohne Genehmigung errichtete Villa mitten im Naturschutzgebiet zwanzig Jahre lang genutzt werden kann, ehe der Abriss beginnt (Einen Bericht darüber findest du hier). Die Grundstücke werden großzügig eingezäunt und als Fußgänger findet man mancherorts kaum noch einen Weg, der sich nicht als „privat“ erweist. Bei Spaziergängen stößt man immer wieder auf die Bauruinen nicht fertig gestellter Häuser.

Es verwundert nicht, dass sich die Einheimischen über die wohlhabenden Zugezogenen ärgern, die ihnen die letzten Reste ihrer wunderschönen Natur unerlaubt zubauen und dann nur wenige Wochen im Jahr anwesend sind. Die einzigartige Landschaft des Var ist somit einem millionenschweren Siedlungsdruck ausgesetzt, dem leider vielerorts nicht standgehalten wurde.

Naturschutzgebiet der drei Caps

Plage de Gigaro
Plage de Gigaro

Ein wahrer Schatz ist deshalb das Gebiet rund um Cap Lardier. Seit 1930 steht es zusammen mit den nahe gelegenen Caps Taillat und Camarat unter Schutz. Der schöne Plage de Gigaro, der oft als Startpunkt für Wanderungen gewählt wird, war bis 1960 Teil eines Campingplatzes. Es war geplant den Strand und einen großen daran anschließenden Bereich in ein Feriendorf mit Hafenanlage umzuwandeln. Doch eine lokale Vereinigung stellte sich dem entgegen und mit Hilfe des Conservatoire du Littoral gelang es, dieses Immobilienprojekt aufzuhalten.

Blick auf Hyerische Inseln
Blick auf Hyerische Inseln

Seit 1966 gehört Cap Lardier zur Liste geschützter Orte in Frankreich. Die Flora und Fauna ist sehr artenreich. Unter anderem ist hier die Perleidechse und die Hermannschildkröte zuhause, ebenso wie einige seltene Orchideenarten und die drei mediterranen Pinien- (Aleppo-, Sonnenschirm- und Seekiefer) und Eichenarten (Steineichen, Korkeichen und Flaumeichen).

Der zweite Band der Merles Fluch-Reihe hat von meinem Aufenthalt an der Côte d’Azur einiges an Landschaft mitbekommen. Meine Eindrücke finden sich in den Beschreibungen der Westküste von Teria wieder.

Ein Jahr nach dem Waldbrand
Ein Jahr nach dem Waldbrand

Im Juli 2017 war die Landspitze von einem verheerenden Waldbrand betroffen, der große Teile der Vegetation zerstört hat. Die Folgen werden wohl noch Jahre erkennbar sein. Doch die Natur erholt sich schnell. Freiwillige haben Maßnahmen ergriffen, um die Erosion des Bodens ins Meer aufzuhalten, bis sich wieder ausreichend Pflanzen angesiedelt haben, um das Erdreich festzuhalten. Einen detaillierten Bericht zum Waldbrand findest du z.B. hier.

Der Sentier du Littoral

Sentier du Littoral
Sentier du Littoral

Trotz des Waldbrandes ist das Cap in jedem Fall einen Besuch wert! Schon im Frühling 2018 war es wieder in ein Blumenmeer getaucht und der Wald erobert langsam sein Territorium zurück.

Der Sentier du Littoral ist ein kleiner oft steiler und steiniger Trampelpfad, der vom Plage de Gigaro über das Cap Taillat und weiter über den langen Plage de Pamplonne führt. Viele kleine Strände und Buchten zwischen den Felsen sind perfekt für eine Pause oder Abkühlung geeignet. Und für Schnorchler gibt es sogar einen vom Observatoire Marin eingerichteten Seepfad, der allein oder mit Führer „beschwommen“ werden kann.

Küstenpfad
Küstenpfad

Die Runde auf dem Sentier du Littoral ist nahezu beliebig verlänger- oder verkürzbar, da immer wieder Wege nach oben in den Wald und auf den Forstweg führen, der zurück zum Ausgangspunkt leitet.

Im Juli und August ist der Pfad vielbegangen. Eine lauschige Badestelle findet man jedoch trotzdem und eng wird es an den Stränden rund um Cap Lardier nie, schon allein deswegen, weil man sie nur zu Fuß oder über das Wasser erreichen kann. Die beste Wanderzeit ist jedoch im Herbst und im Frühling, außerhalb der Schulferien. Dann trifft man auf dem Pfad tatsächlich kaum einen Menschen und kann die Schönheiten dieses Ortes ungestört genießen.

Le Vieux Semaphore

Le Vieux Semaphore
Le Vieux Semaphore

Wandert man von Cap Lardier hinauf zum Forstweg und zurück in Richtung Plage de Gigaro, so kommt man nach wenigen hundert Metern an einem kleinen Weg vorbei, der nach links zu einer restaurierten Hausruine führt. Dieses kleine Häuschen, hoch über dem Meer, stammt aus dem 13. Jh. n. Chr. Es heißt „Le Vieux Semaphore“, was soviel wie bedeutet wie „Der alte Wachtposten“. Der atemberaubende Ausblick über das Meer und die Hyerischen Inseln hat seinen Zweck, denn von hier aus konnte man herannahende Piraten frühzeitig sehen und die Menschen in den umliegenden Dörfern warnen.

Ich könnte stundenlang vor diesem alten Häuschen sitzen und aufs Meer schauen. In ‚Im Bann des Roten Königs‘ war mir Le Vieux Semaphore Vorbild für die Hausruine über dem Strand, zu der Merle sich zurückzieht, um nachzudenken. Meine Romanheldin und ich, wir hatten dort beide wichtige Entscheidungen zu treffen…

Fazit

Auf der Halbinsel von Saint Tropez ist es im Sommer nicht leicht einen Ort zu finden, an dem man das Meer in Ruhe genießen kann. Allen die gerne für sich sind beim Baden, rate ich also Wanderschuhe einzupacken und sich auf den Weg zu Cap Lardier zu machen

Wandertipps:

(ACHTUNG: In den Waldgebieten des Var herrscht im Sommerhalbjahr Waldbrandgefahr! Bitte konsultiere IMMER die tagesaktuelle Infokarte, bevor du eine Wanderung dort startest!)

Nützliche Websites:

Willst du noch mehr über die Region erfahren?

Dann interessieren dich vielleicht Teil 2 und Teil 3 von „Menschenscheu auf der Halbinsel von Saint-Tropez“!

Eine Meinung zu “Cap Lardier – Zuflucht im Touristenmeer

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