Aubrac, Aveyron, Frankreich
Entdecker-Blog: Aubrac

Hast du dich schon einmal in eine Landschaft verliebt?

So sehr, dass sie dir tage-, wochen- oder sogar jahrelang nicht mehr aus dem Kopf ging? Das Aubrac ist für mich so eine Landschaft. Ich durfte dort eineinhalb Jahre lang leben, und ich habe die Zeit hemmungslos genutzt und genossen.

Frankreichs einsames Herz

Das Aubrac ist ein dünn besiedeltes Hochplateau im Zentrum von Frankreich. Es schließt südwestlich an die Auvergne an und gehört zu den einsamsten Landstrichen Westeuropas.

Während ich meinen ersten Roman „Die Gabe des Roten Königs“ geschrieben habe, war das Aubrac mein Zuhause. Kein Wunder, dass es sich in meinen Text geschlichen hat und zu Merles Heimat, dem Riedinger Hochmoor wurde.

Die vulkanische Hochebene des Aubrac im Winter
Vulkanisches Hochplateau Aubrac

Uralte Steinmauern, halb verfallene Höfe und urzeitlich anmutende Aubrac-Rinder: Das ist es, was den Wanderer hier erwartet. Zwischen den grasbewachsenen Hügeln, liegen spiegelglatte Seen und morastige Niederungen. Seltene Wildpflanzen und Vogelarten sind hier zuhause, und das Aubrac ist ein Paradies für Pilzsucher. Wer sich im Herbst in der Dämmerung in die weiten Hügel wagt, kann Hirsche bei ihren Kämpfen beobachten und den Brunftschreien lauschen.

Im Sommer läuft man auf dem Jakobsweg oder am beeindruckenden Cascade du Déroc (Wasserfall mit einer dahinter liegenden Höhle aus Basalt) auch mal Gleichgesinnten über den Weg. Ansonsten muss man sich darauf gefasst machen, allein mit der Weite und den Rindern zu bleiben. Auf dem Aubrac sollte man nicht vom Weg abkommen. Sonst kann es passieren, dass man stundenlang über endlose Weiden irrt.

Aligot und die Messer von Laguiole

Hausruinen auf dem Aubrac

Die wenigen Dörfer auf dem Aubrac haben ihre traditionelle Steinbauweise größtenteils bewahrt. Es lohnt sich, den namengebenden Ort Aubrac oder Nasbinals zu besuchen, und einen Blick in die romanischen Kirchenbauten zu werfen. Die Restaurants sind zwar nur in der Sommersaison geöffnet, dann kann man aber dort das regionaltypische Gericht – den Aligot – genießen. Es ist ein deftiges Püree aus Kartoffeln, Käse und Gewürzen. Man bekommt den Aligot auch auf den lokalen Wochenmärkten.

Echte Feinschmecker können einen Tisch im berühmten Gourmet-Restaurant Bras reservieren und sich von Sébastian Bras, einem französischen Drei-Sterne-Koch, verwöhnen lassen. Er setzt sich für die Erhaltung des Aubrac und auch der Rasse des Aubrac-Rindes ein, und verwendet in seinen Gerichten bevorzugt traditionelle und lokale Zutaten.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Produktionsstätte der berühmten Laguiole-Messer. Man erkennt sie an der Biene (Mouche) auf dem Messerrücken. Beim Besuch der Schmiede (Forge de Laguilole) kann man den Handwerkern nicht nur bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen, sondern man darf auch Fragen stellen und sich einzelne Arbeitsabläufe zeigen lassen. Beim hinausgehen sind die verschiedenen Messertypen in den Auslagen zu bewundern. Und natürlich kann man sich auch selbst ein solches Messer kaufen.

Chapelle Aurelle

Mein Besuch der Laguiole-Schmiede hat bewirkt, dass der Vater meiner Heldin Merle ein Messerschmied wurde. Zum Riedinger Hochmoor gehört nun mal eine Messer-Schmiede, ebenso wie die Laguiole-Messer zum Aubrac gehören. (Die Gabe des Roten Königs)

Aubrac oder „tiefer Schlamm“

Dorf Aubrac

Es gibt verschiedene Theorien darüber was das Wort „Aubrac“ bedeutet. In alten Schriftquellen wird das Plateau unter den Namen Altobraco, Albracum, Albrac oder, in Okzitanisch, Auborac erwähnt. Der zweite Teil des Wortes, das -brac, lässt sich aus dem Gallo-romanischen ableiten und kann mit „feuchter Ort“ oder „schlammig“ übersetzt werden. Der erste Wortteil „Au-“ formte sich wohl aus alto-, was so viel heißt wie „hoch“ bzw. „tief“. „Aubrac“ mag also wörtlich so etwas wie „tiefer Schlamm“ bedeuten.

Nun wird vielleicht klar, warum das Riedinger Hochmoor in „Die Gabe des Roten Königs“ ein Moor mit furchteinflößenden Tiefen ist. Der wirkliche Aubrac ist nicht ganz so furchteinflößend. Aber die Idee dazu hat mir diese Wortbedeutung gegeben.

Ein wenig Geschichte

Dolmengrab an den Hängen des Aubrac

Das ungastliche Klima des Aubrac hatte zur Folge, dass das Hochplateau lange nicht permanent besiedelt war. Die Erschließung beschränkte sich anfangs auf Transhumanz-Bewegungen und vereinzelte Überquerungen. Archäologen fanden auch Hinweise auf prähistorische Steinbrüche und kurzzeitig bestehende Siedlungen. Spätestens ab der Eisenzeit wurden in den Seen des Aubrac Opfergaben deponiert. Reste dieser Praktiken sollen sogar noch bis ins 19. Jahrhundert bestanden haben. Dann aber wurden sie verboten.

Erst die Römer bauten befestigte Wege über das Plateau, um das heutige Lyon mit Rodez und dem Südwesten Frankreichs zu verbinden. Wenn man heute den gekennzeichneten Wanderwegen folgt, zeichnen sich nicht selten die antiken Straßenpflaster halb verborgen unter Waldboden oder Grassoden ab.

Auf dem französischen Jakobsweg

Das Dorf Aubrac hat seinen Ursprung in einem Kloster des beginnenden 12. Jahrhunderts, das von den religiösen Herren des berühmten Conques gegründet wurde. Es bot den Pilgern des Mittelalters, auf ihrem Weg nach Santiago de Compostella, eine sichere Unterkunft. Die Mönche etablierten Viehherden in großem Stil und formten so die karge, fast baumlose Landschaft, die bis heute typisch ist. Auch der Laguiole-Käse ist auf diese Ursprünge zurückzuführen.

Die via Podiensis , ein Teil des französischen Jakobswegs, überquert das Aubrac seit vielen Jahrhunderten. Der Ort Aubrac war einst ein Herbergs- und Rastort für Pilger. Heute essen die meisten dort nur noch zu Mittag. Nasbinals, St-Chely oder Saint-Come-d’Olt bieten bessere Unterkunftmöglichkeiten für moderne Pilger.

Mehr zur Geschichte des Aubrac gibt es hier.

Die kalte Jahreszeit

Aubrac im Winter

Im Winter wird es auf dem Aubrac sehr ungemütlich. Schnee kann bis in den Juni hinein liegen. Der Wind ist beißend und nicht selten mit Niesel- oder Schneeregen vermischt. Kaum ein Baum oder Strauch schützt dort vor den Unbilden der Natur.

Auch mit diesen Wetterverhältnissen habe ich Bekanntschaft gemacht. In Merles nächtlicher Flucht vom Bruch nach Rieding (Die Gabe des Roten Königs), habe beschrieben wie sich das anfühlt.

Dafür ist der Winter auch die optimale Jahreszeit zum Langlaufen und Schneeschuhwandern. Ausrüstung und Führer kann man z. B. in der Skistation Brameloup ausleihen.

Hier findest du mehr Informationen zu Aktivitäten auf dem Aubrac im Winter.

Fazit

Das Aubrac ist ein Reiseziel für Leute, die eine raue Natur erleben und dem Trubel aus dem Weg gehen wollen.

Wandertipps

(Achtung: Leider sind die meisten Informationen zum Aubrac bisher nur in französischer Sprache verfügbar.)

Nützliche Websites

(Achtung: Leider sind die meisten Informationen zum Aubrac bisher nur in französischer Sprache verfügbar.)

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